Wichtige
Züchter - Information der TK/FFH
Polycystische
Nierenerkrankung (PKD)
ALLGEMEINES
Einleitung
Über
die Polycystische Nierenerkrankung (PKD), die hauptsächlich bei
Perserkatzen gelegentlich aber auch bei anderen Rassen, wie zum Beispiel
den Abessinern, auftreten kann, wurde erstmals 1967 berichtet. Seit 1990
wird die PKD eingehender untersucht und im Rahmen von Studien wird
versucht, Licht in die Entstehung und den Verlauf dieser Erkrankung zu
bringen.
Was
ist PKD ?
Es handelt sich um eine vererbbare
Erkrankung (autosomal dominant), die bereits bei Jungtieren nachgewiesen
werden kann. Wie der Name bereits aussagt, bilden sich in den Nieren der
betroffenen Katzen flüssigkeitsgefullte Bläschen (Zysten). Diese Zysten
sind anfanglich klein und in geringer Anzahl vorhanden. Mit den Jahren
werden diese Veränderungen zunehmend grösser und verdrängen das
funktionelle Nierengewebe zusehends. Während einer gewissen Zeit vermag
das noch intakte Nierengewebe den funktionsunfähigen Anteil zu
kompensieren. Ab einem gewissen Grad, d.h. wenn mehr als ca. 60 bis 70 %
der Nieren verändert sind, vermögen sie ihre Funktion nicht mehr zu erfüllen.
Die normalerweise mit dem Urin ausgeschiedenen Abbauprodukte verbleiben im
Blut und führen zu Krankheitssymptomen wie Erbrechen, Apathie,
Abmagerung, vermehrtem Trinken und gesteigerten Harnlassen.
Behandlung
Eine
Therapie, die das Fortschreiten dieser Erkrankung verhindert oder gar eine
Wiederherstellung der veränderten Nieren bewirkt, gibt es nicht. Durch
die Einhaltung einer konsequenten Diät mit protein- und phosphatarmem
Futter lassen sich die Symptome lediglich mildern.
Vererbung
Die
PKD tritt unabhängig vom Geschlecht auf. Durch die im genetischen Verlauf
beobachtete Dominanz erkranken, falls ein Elterntier Träger dieser
Krankheit ist,
mindestes
50% der Nachkommen ebenfalls an der PKD.
Nachweis
der PKD
Die
Nierenveränderungen können mittels Ultraschall bereits im Alter von 7
Wochen festgestellt werden. Um die Aussagekraft und die Sicherheit der
Diagnose zu erhöhen, wird diese Untersuchung erst nach dem 6. Lebensmonat
vorgenommen. vorgängig zur Durchführung der Ultraschalluntersuchung muss
ein kleines Stück Fell am Bauch geschoren werden und je nach Umgänglichkeit
der Katze eine leichte Narkose eingeleitet werden.
Konsequenzen
Bei
Kleintieren gibt es zahireiche Krankheiten (z. B. gehäuftes Auftreten von
Taubheit bei weissen Katzen, oder Gelenkserkrankungen bei gewissen
Hunderassen) die durch Vererbung auf die nächste Generation weitergegeben
werden. Aus diesem Grund wurde von verschiedenen Zuchtverbänden die
Zuchtzulassung von einer entsprechenden Untersuchung abhängig gemacht
(leider lassen sich bei den meisten Erkrankungen die Träger nicht mit
Sicherheit auschliessen, da die Vererbung rezessiv verläuft und somit
symptomfreie Tiere die Krankheit weitergeben können). Im Gegensatz zu den
oben erwähnten Erkrankungen weist die PKD demzufolge einen nicht zu
unterschätzenden Vorteil auf: Jede Kätzin und jeder Kater, bei denen
diese Nierenveränderung nachgewiesen wird, kann durch Ausschluss von der
Zucht an der Weitergabe dieser Krankheit gehindert werden. Bei der PKD
handelt es sich somit um eine Erkrankung, die mit relativ geringem Aufwand
vermeidbar ist. Eine solche Regelung, die nur PKD‑freie Katzen zur
Zucht zulässt, wird bereits in einzelnen Ländern angewendet. Auf der
anderen Seite stellt sich natürlich auch die Frage, wie häufig diese
Krankheit überhaupt auftritt und wo die Grenze des zumutbaren Aufwandes
liegt. Anhand der aus dem Ausland stammenden Angaben seien zwischen 9 bis
67 % aller Perserkatzen mit der PKD versehen. Leider fehIen bei diesen
Zahlen wesentliche Angaben, z. B. von welchen Tieren und unter welchen
Umständen diese Ergebnisse zustande gekommen sind. Aus diesem Grund
scheint es sinnvoll, diese Befunde mit gebührender Vorsicht zu
betrachten.
BEFRAGUNG
Kontakte
Um
die Verbreitung und den Handlungsbedarf dieses Leidens abschätzen und
beurteilen zu können, wurden Anfragen bei den beiden Kleintierspitälern
in Bern und Zürich durchgefuhrt. Folgende Abteilungen wurden um eine
Stellungnahme gebeten:
Tierspital
Zürich Pathologie
Tierspital
Zürich Radiologie
Tierspital
Bern Pathologie
Ergebnis
Den
befragten Tierärzten ist das gehäufte Auftreten der PKD bei Perserkatzen
durchaus bekannt. Anhand einer Auswertung des Tierspital Zurich sind ca.
20 % der Perserkatzen, die einer pathologischen Untersuchung zugeführt
wurden, mehr oder weniger ausgeprägt von der PKD betroffen. Zudem tritt
diese Erkrankung bei Perserkatzen signifikant häufiger als bei anderen
Rassen auf. Die Ultraschalluntersuchung kann an den Tierspitälern Bern
und Zürich gegen Voranmeldung vorgenommen werden und betragt ca. Fr. 70
pro Katze.
Schlussfolgerungen
Aufgrund
der gegenwärtigen Situation wird empfohlen, Perserkatzen vor dem
Zuchteinsatz einer Ultraschatiuntersuchung der Nieren zuzuführen. Es
ist durchaus möglich, dass sich die Anzahl der PKD‑Fälle in
Zukunft erhöhen wird. Deshalb erscheint es notwendig, Züchter von
Perserkatzen bald und möglichst vollumfanglich zu informieren. wie
bereits erwähnt, ist die Durchführung der Ultraschalluntersuchung mit
relativ geringem Autwand möglich und die Kosten halten sich dabei auch im
Rahmen. Es ist aber davon auszugehen, dass frei praktizierende Tierärzte
einen höheren Betrag erheben können (Die Anforderungen an den
untersuchenden Tierarzt und die Ultraschallgeräte sind aber relativ hoch.
Weshalb wahrscheinlich nur wenige frei praktizierende Tierärzte diese
Untersuchung anbieten).
Basel,
den 16.12.98
Dr.
med. vet. Kurt Neeser
(Mitglied
der TK)
Die
Technische Kommission der FFH empfiehlt deshalb allen Züchter von
Perserkatzen folgende Vorgehensweise:
1.
Vor Zuchtbeginn sowohl Kater als auch Kätzinnen mittels Ultraschall auf PKD
untersuchen
zu lassen. Durchfuhrung der Ultraschalluntersuchung im Tierspital Bern
oder Zürich (eventuell auch bei einem frei praktizierenden Tierarzt, der
eine US‑Anlage mit 7,5 MHz‑Kopf oder mehr aufweist).
2.
Da die Erkrankung seitJahrzehnten besteht, die Anzahl der betroffenen
Katzen aber möglicherweise zunimmt, sollte der weitere Verlauf beobachtet
werden (Tierspitäler, Perserkatzen Besitzer).
3.
Falls Punkt 2 zutrifft, obligatorische Untersuchung für alle
Perserkatzen, die zur Zucht gelangen sollen und Ausschluss der positiven
Tiere.
Die
TK ist fur jedes gemeldete Testergebnis, ob positiv oder negativ, sehr
dankbar. Nur so kann sich die TK ein Bild über eine eventuelle Zunahme
dieser Erkrankung machen und somit weitere Empfehlungen oder Massnahmen
zur Erhaltung gesunder, PKD-freien Zuchten erlassen.
Namens
der TK / FFH
D.
Schilling |